12.01.2011 – die erste Party mit den neuen Studenten und der Abschied von einigen Franzosen

Wir waren also aus Kiruna zurück und uns wurde mitgeteilt, dass Gillaume und Matthieu an diesem Tag in meinem Gebäude zwei Stockwerke tiefer ihren Abschied feiern würden. Viele Leute waren nicht zu erwarten, weil etliche einfach schon abgereist waren und einige andere (6 an der Zahl) sich gerade in Abisko (Lappland) befanden. Es reichte dennoch zu einer gut gefüllten Bude, weil gerade der nächste EIL-Kurs lief und einige neue Studenten dabei waren, die dann aber wieder in irgendwelche anderen Städte abreisen sollten. Was mir nicht bekannt war, war das Motto der Party. Es sollte eine Moustache-Party werden (Moustache = Oberlippenbart). Am Morgen des Tages hatte ich mir noch alles abrasiert, was in meinem Gesicht wieder gewachsen war und so stand ich als einziger Bub ohne da. Nichtsdestotrotz war es ganz nett mal ein paar neuen Studenten zu begegnen. Eine von ihnen, den Namen hab ich noch am selben Abend leider wieder vergessen (wie das bei mir manchmal so ist), kam aus Münster, studierte aber in Deutschland woanders und sollte nach dem Sprachkurs dann nach Umeå weiterziehen.

Die Feier ging für mich bis zwei Uhr morgens. Die meiste Zeit quatschte ich mit Alex über meine anstehende Klausur und die darauf folgende Diplomarbeit, bzw. das Thema, das diese mal haben soll und mit Naomi über alles, was uns zum Lachen brachte…

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Die erste Woche daheim…Gedanken

Als ich in Schweden meinen Sprachkurs hatte, verbrachten wir auch einige Zeit in Kulturstunden, in denen mitunter das Wort Kulturschock diskutiert wurde. Es gab verschiedene Phasen, die man durchlebe, angefangen bei einer Zeit voller Wohlbefinden bis zu einer, in der man sich fühlt, als sei man auf dem Boden der Tatsachen angekommen und das sei in dieser Form schlecht, weil positive Hoffnungen, durch negative Erfahrungen ersetzt würden. Uns und so auch mir, wurde vom Lehrer prophezeit, dass wir alle diese Phasen während unseres Aufenthaltes in Schweden durchleben würden. Manche stärker, andere schwächer, aber jede Phase werde durchlebt.

Nun muss ich sagen, dass ich mich nicht daran erinnern kann, in Schweden einmal unglücklich gewesen zu sein, wegen irgendetwas, das in Schweden passiert ist. Der Tod meines Großvaters, mein Fehlen bei der Beerdigung und eine unglücklich situierte Romanze sind nichts, das direkt mit Schweden zu tun hat…aus meiner Sicht. Und das einzige davon, das wenigstens auf schwedischem Boden geschah ist die Romanze, der ich dennoch das positive Gefühl abgewinne, verliebt gewesen zu sein, also wie schlimm kann das schon gewesen sein!? Ganz nebenbei, so etwas hat der Lehrer bestimmt nicht mit negativen Erfahrungen gemeint. Ihm wird es vielmehr darum gegangen sein, dass wir irgendwann feststellen, dass all die schönen Dinge, die wir über Schweden mal gehört oder gelesen haben, gar nicht auf jeden so toll wirken, oder Berichte, gleich welcher Art, einfach nur übertrieben waren.

Hierzu muss ich für meinen Teil sagen, dass ich einiges gehört und wirklich viel gelesen habe, und alles, was als schön und gut dargestellt wurde, habe ich auch genau so wahrgenommen. Ich darf mich also glücklich schätzen, die schlimmste Phase des Kulturschocks ausgelassen zu haben…

Jetzt bin ich seit (gut) einer Woche daheim und muss sagen, dass die Umgewöhnung auf eine neue Umgebung mir in Deutschland teilweise bedeutend schwieriger fällt als in Schweden. Dort war es ja so, dass man sich bei jeder kleinen Widrigkeit sagen konnte, “Die 6 Monate wird man das schon überleben!”. Hier in Deutschland angekommen ist es nun so, dass ich mich nach wie vor, ein wenig komisch fühle. Nicht etwa fehl am Platze, aber wie jemand, der noch nicht wirklich angekommen ist. Mir fällt leider nicht ein, wie ich dieses Gefühl präzise umschreiben kann. Vielleicht hilft ein Beispiel: Ich war mittlerweile mehrfach wieder an meiner eigentlichen Universität und muss sagen, dass sie mir vorkommt, als gehöre ich hier nicht her und sei nur ein Gast. Da dies nun ziemlich genau auf die Högskolan in Schweden zutraf darf die Frage erlaubt sein, ob ich einige Phasen des Kulturschocks nun hier erlebe und siehe da: der Lehrer sprach ja auch davon, dass es einen zweiten solchen Schock bei der Heimreise geben könnte. Erlebe ich nun vielleicht einige Phasen des Kulturschocks verspätet, indem ich mich zum Beispiel an meiner Heimatuniversität so fühle, wie ich mich 6 Monate zuvor an der in Schweden fühlen sollte, oder erlebe ich den definierten Phasen zufolge zwei nicht ganz komplette Schocks? Wie auch immer, es bleibt festzuhalten, dass ich nach einer Woche noch nicht wirklich angekommen bin.

Ich bin allerdings sehr beruhigt, dass ich nicht gänzlich isoliert vom Leben meine Zeit damit verbringe mich auf eine Prüfung vorzubereiten, für die ich mich interessehalber in Deutschland nochmal angemeldet habe. Neben einem längeren Besuch bei meinen Großeltern, hatte ich schon das Vergnügen, mit der Belegschaft meines ehemaligen Praktikumsbetriebes Fussball spielen zu dürfen und bei meiner wohl besten Freundin in Dortmund einen Abend mit Berichten, Fotobetrachtungen und Pokern abzuhalten.

Und nun? Für’s erste darf ich mich wohl damit begnügen, dass ich versuche, gleichzeitig fit für meine Prüfung zu werden, mit dem Themenfindung für meine Diplomarbeit voranzukommen, mich um meine Familie und meine Freunde in Deutschland zu kümmern und den Kontakt zu den Leuten aus Schweden nicht abreißen zu lassen.

Vielleicht, wenn alles gut geht, habe ich ja einfach keine Zeit für einen neuerlichen Kulturschock…Und wenn ich dann wieder Zeit habe, könnte ich ja wieder eingelebt sein.

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5.1.2011 bis 10.1.2011 – mit Jasi und Susi nach Lappland…Polarlichter als Highlight!

Vorbereitung

Wir hatten eine Fika im November als Jasmin, Susan und ich beschlossen im Januar gemeinsam die Reise nach Kiruna anzutreten und es begab sich, dass… nein so erzähl ich das lieber nicht. Ich versuchte auf gut Glück, ein 3-Bett-Zimmer im „Yellow House“  zu Kiruna für 3 Übernachtungen zu bekommen und siehe da!, es klappte auf Anhieb. Es war also eine Unterkunft für die Nächte vom 6. bis auf den 9. Januar gesichert. Als wir uns dann um unsere Anreise kümmern wollten, suchten wir erst nach Flügen. Da hier für weniger als 300 € bei zweifelhaften Anbietern nichts zu bekommen war, suchten wir folgerichtig nach einer Zugverbindung. Von Göteborg über Stockholm nach Kiruna und zurück für knappe 160 Euronen schien uns nicht günstig aber auch nicht unverschämt teuer, wenn man bedenkt, dass die schwedische Bahn jemanden dafür dann die meiste Zeit in einem Schlafabteil nahezu 3000 Kilometer durch Schweden fährt. So buchten wir eine 20 Stunden und 44 Minuten Hinreise und eine ähnlich lange Rückreise bei SJ. Jetzt hieß es erst einmal „Abwarten“ bis zum 5. Januar, an dem wir die Hinreise beginnen würden, und die am 6. Januar enden würde.

Und es war dann auch der 5. Januar, an dem ich mit dem Packen anfing. Ich dachte mir wie auch schon vor der Abreise nach Norwegen oder nach Stockholm oder nach Malmö & Kopenhagen, dass es eine Sache von 5 Minuten ist. Die war es allein deshalb schon nicht, weil viele Sachen, die ich mitnehmen musste, noch gebügelt werden mussten. (Ja ich Bügel T-Shirts und einige Pullover). Am Tag davor, waren Jasmin und ich noch in Göteborg gewesen, und zwar von früh an, um beim Schlussverkauf Schnäppchen zu machen. Anschließend haben wir in Borås noch eine Fika mit Susan und Dieke eingeschoben, danach hat Dieke für uns gekocht (undzwar “Nasi” ohne Goreng) und danach hab ich noch mit meinen Eltern (schönen Gruß an dieser Stelle!) geskypt und mir ein paar Sendungen im TV angesehen. Als ich mit all dem fertig war hatten wir schon 1 Uhr morgens und ich fing das Packen an. Fertig war ich damit (und mit dem Bügeln) dann gegen 3, was ich deshalb noch weiß, weil ich dann duschen ging und davor auf die Uhr sah. Zwischen 20 nach 3 und halb 4 war ich dann endlich im Bett und versuchte mir noch einzuprägen, was ich alles zu packen vergessen hatte…

Nach dem Aufstehen bereitete ich noch schnell „Vesper“ vor (fluffige Brote mit Käse und Schinken), kochte mir einen Tee zum Frühstück, packte möglichst viel von den vor dem Schlafengehen vergessenen Sachen ein und war eigentlich wie verabredet um 20 nach 10 draußen vor dem Haus, wo Jasmin und Susan schon mit ihren Koffern und Taschen waren.

Die Anreise (5. & 6. Januar)

Das erste nennenswerte Teilstück der Reise nach Kiruna traten wir schon ganz zu Beginn des Unternehmens an. Es war 10:20 Uhr, als wir uns zwischen den Häusern in der Tunnlandsgatan trafen, um zur Bushaltestelle am Krankenhaus zu laufen. Wir haben uns (erstmal) keine neuen Monatstickets für den Bus organisiert und mussten daher mit Sack und Pack dorthin laufen. Damit waren wir eine gute halbe Stunde beschäftigt. Eingeplant war mehr, so dass wir den Bus, der nachher leider mit Verspätung eintraf, nicht verpassen könnten.

Jasi befand noch auf der Fahrt nach Stockholm im schnellsten Zug, den die schwedische Bahn zu bieten hat, dass Zug fahren „nicht das schönste ist, was man tun kann“ (beschönigte Version). Dazu muss man sagen, dass wir erstens Verspätung hatten (wahrscheinlich als Willkommensgeschenk für alle deutschen Fahrgäste in Anlehnung an Klischee der deutschen Bahn) und dann die etwas mehr als 3 Zugstunden mit dem Rücken in Fahrtrichtung saßen. Jasi wurde dabei dann zeitweise auch etwas übel, nämlich immer dann, wenn sie ein wenig lesen wollte. An dieser Stelle blieb für sie zu hoffen, dass wenigstens auf den anderen Teilstrecken (Stockholm – Kiruna, Kiruna – Stockholm und Stockholm – Göteborg) so viel Vorwärtsfahrt wie möglich sein sollte. Tatsächlich hatte sie die Gelegenheit gehabt, auf der nächsten Fahrt vorwärts gerichtet im Abteil zu sitzen, weil sie als erste drin war, setzte sich aber freiwillig wieder rückwärts hin, ließ aber auch weitere Kommentare diesbezüglich aus. Unser Abteil verfügte über 6 Betten. Nicht alle waren permanent „da“. Unten fanden wir erst einmal normale Sitze vor. Die Sitzfläche war nach Umbau des Abteils ein Bett, die Rückenlehne hochgeklappt ein weiteres und darüber noch eines. Das war auf beiden langen Wänden des Abteils so und folglich konnten 6 Leute darin sitzen oder liegen. Zu Beginn der Reise waren wir nur zu dritt im Abteil und hatten es schön für uns. Später, vermutlich in Umeå, stiegen, wie von der Schaffnerin auf mein Nachfragen bei der Ticketkontrolle angekündigt, zwei weitere Mitreisende dazu. Wir bauten rechtzeitig die Betten auf, damit die Leute, die da kommen sollten, gleich ein Schlafabteil vorfinden, und nicht erst noch lange aufbleiben und eventuell Krach machen. Auf jeden Fall haben wir, als wir eingestiegen waren, zunächst etwas zu uns genommen, anschließend etwas gequatscht (Susan hat zwecks Behandlung ihrer Kopfschmerzen Beethoven aus ihrem Notebook erklingen lassen) und dann die Betten aufgebaut. Ich weiß nicht, wann es endgültig ins Land der Träume ging, aber ich glaube, es war noch am 5. Januar. Als erstes hatte sich Susan hingelegt, Jasmin und ich haben noch eine Weile aus dem Fenster gestarrt und die Landschaft angesehen und uns unterhalten.

Nach dem Aufstehen, so gegen halb 9 stellten wir fest, dass die zwei Mitreisenden schon ausgestiegen waren und wir wieder fast alleine waren. Eine Frau schlief noch unter mir, verschwand aber, als sie merkte, dass wir alle wach waren. Ob sie in dieses Abteil gehörte, war nicht klar (, anzunehmen war es allerdings nicht, da die Schaffnerin uns ja nur von zwei weiteren Personen berichtete). Immerhin konnten wir ungestört eine Hälfte des Abteils wieder zu Sitzplätzen umfunktionieren, ohne jemanden zu stören und saßen dann, nachdem alle mit Zähneputzen und Waschen durch waren gespannt und quatschend rum, darauf wartend, anzukommen. Ganz im Stile, klassischen Bahnservices kam auch ein Schaffner herein und teilte uns eine halbe Stunde vor der Ankunft mit, dass wir in einer halben Stunde in Kiruna ankämen. Beim Blick aus dem Fenster schrie ich irgendwann auf, weil ich nach Elchen Ausschau hielt und tatsächlich ein mindestens drei Elche umfassendes Rudel gesehen hatte. Susan hechtete regelrecht zum Fenster, schaute zurück und bestätigte, dass da tatsächlich zumindest etwas war, das sich bewegte. Für Jasmin war es – wenn ich mich recht entsinne – bereits zu spät, sie auch noch zu sehen.

Die Anreise endete leider noch nicht damit, dass unser Zug in „Kiruna C“ Halt machte. Wir waren ziemlich genau um 11 Uhr dort angekommen und wussten, dass es noch 3 Stunden dauern würde, bis die Jugendherberge öffnen würde. Schon mal nach dieser suchend gingen wir mit Sack und Pack in die Stadt. Die ersten Meter gingen ausschließlich bergauf, aber wie sagt man so schön? „Ohne Schweiß keine Herberge!“

Im Bahnhofsgebäude hatte ich ein Foto von der Stadtkarte gemacht, damit wir „einen Plan“ hatten, wo es hingehen musste. Leider verguckte ich mich auf diesem Plan maßlos, verrutschte andauernd auf den Straßen und lotste uns erst in Gegenden der Stadt, die mit unserem Hostel so gar nichts zu tun hatten. Wenigstens erkundeten wir dabei einige Teile des Stadtkerns, was nicht von Nachteil war. Wir erfuhren so schon einmal, wo sich das Touristenbüro (schwedisch „Touristbyrå“) befindet, ein ICA Supermarkt zu finden ist, wo sich Geldautomaten befinden und weiteres. Zum ICA wollten wir auch gleich reingehen, doch mehr als in einen immerhin warmen Vorraum ging es nicht. An diesem Tag, dem der heiligen drei Könige war in Kiruna einfach mal alles geschlossen. Die Mädels setzten sich vor dem ICA erst einmal gemütlich auf die verfügbaren Bänke. Ich machte mich angesichts der massig verfügbaren Zeit auf den Weg durch die Ecke der Stadt, in der ich das Hostel laut meiner völlig falschen Ansicht der Karte vermutete. Hab ich es schon gesagt? Es war KALT! Dennoch machte die Suche mit gleichzeitiger Erkundung der Stadt nicht wenig Laune auf dieses Wetter. Wenn man schließlich nach Kiruna fährt, muss man die Kälte ja wollen. Es wäre schlimmer, wenn man sie vorfindet, wenn man nach Mallorca fliegt und dort den Winter findet, was wohl den Unterschied zwischen „ganz schön kalt“ und „verdammt kalt“ ausmacht. Auf meinem ersten Ausflug fand ich dann auch das „Stadthus“, die Bibliothek und lokalisierte die berühmte „Kiruna Kyrka“, sowie eine Rakete namens „Maxus“, die bei Einfahrt in den Ort wohl darauf hinweisen soll, dass hier Raketenforschung betrieben wird und selbige zu Forschungszwecken in den Himmel geschossen werden. Was ich nicht finden konnte war das Hostel. Der Grund war einfach: ich las die Karte auf meines Bruders Kamera einfach falsch. Nachdem ich mich nach kurzer Mitteilung an die Mädels, dass ich es noch nicht gefunden habe wieder auf den Weg machte, gab mir Susan noch den entscheidenden Hinweis auf die korrekte Richtung mit. Beim zweiten Versuch fand ich das Hostel, das immerhin von der Hauptstraße aus ein wenig verdeckt in einem „Hinterhöfchen“ liegt, ohne Probleme. Wissend, wohin zu gehen ist, begab ich mich zurück und las, wie auch die anderen beiden bereits seit einer Weile, mein Buch. So gegen 20 vor 2 machten wir uns dann vom ICA weg in Richtung Jugendherberge. Etwas zu früh waren wir dann doch noch da, so dass wir etwa 5 Minuten vor der Rezeption warten mussten, bis der „Hostelier“ dann da war. Vor uns wartete noch ein Reiseduo, das allerdings schnell abgefertigt war, weil es keine Reservierung vorgenommen hatte. Anschließend kamen wir dran und wurden in der hinter dem neusten Stand der Technik weit hinterherhinkenden Rezeption mehr als wunschgemäß bedient. Das eigentlich vorgesehene 3-Bett-Zimmer konnte er uns nicht geben, weil jemand den Schlüssel für dieses nicht wieder zurückgebracht hatte und so bekamen wir ein 4-Bett-Zimmer. Auch verwunderte mich, dass der Magnetstreifen meiner Kreditkarte plötzlich funktionierte. Das Gerät bot keine Möglichkeit, einen Chip auszulesen, und ich habe schon befürchtet, meine Herbergsrechnung gar nicht begleichen zu können, doch zum ersten Mal ging es. Das Zimmer war dann eine schöne Überraschung, und das ist komplett ohne Ironie zu verstehen. Es handelt sich offenbar um eine dieser rustikal eingerichteten Herbergen. Vieles ist aus Holz, als und war mir nur aus österreichischen Alpenhotels bekannt. Das einzig negative ist, dass wir kein Internet im Hostel haben. Es gibt zwar die Möglichkeit, kostenlos im WLAN des Touristenbüro oder dem der Bibliothek zu surfen, aber da muss man dann auch mit seinem Notebook erst einmal hin. Wenn „man nur mal schnell was gucken“ möchte, dann hat man einfach Pech gehabt, aber eigentlich ist es nicht so schlimm, mal mit wenig bis gar keinem Internetanschluss auszukommen. Die Gegend ist ja schon weit abgelegen und mit Internet würde man vermutlich gar nicht wahrnehmen, wie schön hier alles ist. Auch vereiste Straßen, vollgeschneite Plätze und diese Kälte, erscheinen dem Besucher wirklich erwünscht und der ein oder andere etwas beschwerliche Weg von A nach B wird gar nicht so wahrgenommen. Im Grunde ist es einfach: Wenn man hier hinfährt, dann will man diese Kälte, den Schnee und das Eis auch dabei haben.

Nachdem wir uns im Zimmer eingerichtet hatten, gingen wir recht zügig zum Kochen wieder runter in eine der beiden Küchen. Wir waren schlau und hatten diverses Essen mitgenommen. Da in der Stadt alles geschlossen hatte, hätten wir uns nichts holen können. Während wir dann Spaghetti mit Tomaten-Basilikum-Sauce zubereiteten kam auch ein deutscher Bub, den wir erstmals auf Mathilde‘s und Marc‘s Party in Göteborg kennen gelernt hatten, und auch schon beim Einsteigen in den Nachtzug in Stockholm trafen zu uns und ließ uns wissen, dass er mit seiner Gruppe davon ausgegangen war, dass hier alles offen sein würde und sie hier was kaufen könnten, aber nun saßen sie auf dem Trockenen. Wir genossen unsere Spaghetti in mehreren Zügen. Erst machte ich zu wenige, dann machte Susan nochmal zu viele hinterher und so aßen wir ein 2-Gänge-Spaghetti-Menü, teilweise mit Thunfisch aus der Dose (Jasmin und ich), teilweise ohne (Susan). Anschließend machten wir uns fertig für einen Gang um und durch die Stadt von Kiruna.

Was vom ersten Tage übrig blieb (6.Januar)

Warm eingepackt (Jasmin zum Beispiel mit „MoonBoots“) latschten wir durch die schöne Kälte (!) auf der südlichen Hauptstraße in Richtung Bahnhof, wo wir angekommen waren und machten dann auf Höhe der Kreuzung, über die wir am Morgen erstmals die Stadt betraten einen Schlenker hinein und gingen Richtung Kiruna Kyrka. Wir wollten diese auch besichtigen, mussten allerdings feststellen, dass diese schon geschlossen war. Zu diesem Zeitpunkt war es gerade einmal 18 Uhr, aber Nacht war es schon seit spätestens 3 Uhr. Ein bisschen hofften wir auch, trotz des bewölkten Himmels die ein oder andere Verfärbung am Firmament entdecken zu können: Polarlichter. An diesem Abend war hierzu allerdings nichts zu vermelden, also Fehlanzeige.

Als wir nach der Wandertour wieder in der Herberge ankamen las jeder noch für sich, oder spielte am eigenen Notebook (oder verfasste Blogartikel). Noch vor Mitternacht lagen wir dann aber alle in unseren Betten und versuchten zu schlafen.

Der zweite Tag in Kiruna und der erste komplette (7. Januar)

Am nächsten Morgen durfte ich mir dann (mal wieder) anhören, dass ich schnarchen würde. Die Mädels haben also dank mir nicht besonders viel Schlaf abbekommen. Angeblich haben sie auch versucht mich zu bewegen, allerdings mit geringem bis gar keinem Erfolg. Vor diesem Hintergrund können wir alle froh sein, dass Stefan damals in Malmö und Kopenhagen kein Schnarcher war. Den hätten wir zu viert bestimmt auch nicht bewegen können. (Nichts für ungut Stefan!) Natürlich tat mir das leid und ich hoffte einfach, dass es einmalig sein sollte, denn immer schnarchte ich laut Aussagen von Mitbewohnern nicht. Für den Schlaf der Mädels bestand also noch Hoffnung.

Der Wecker ging so um 10 Uhr und das erste, was wir taten, war gemeinsam zu frühstücken. Zu Knäckebrot hatten wir uns Frischkäse, Kochschinken und frischen Tee organisiert.

Anschließend ging es zum Touristenbüro, und zwar mit Notebooks. Wir planten schon ein, dort eine Weile zu bleiben, weil das neben der Bibliothek der Ort sein sollte, an dem wir ins Internet gehen konnten. Nachdem alles online erledigt war, das erledigt werden sollte, quatschte ich erst einmal mit der Tante vom Touristenbüro über mögliche Ausflugsziele und unsere Chancen in den verbleibenden zwei Nächten Polarlichter zu sehen. Sie half mir mit den Telefonnummern, die ich zum Buchen bestimmter Ausflüge anrufen musste, empfahl mir (und damit ja uns allen) einen guten Ort, zu dem wir in der letzten Nacht hingehen sollten, um eine weite Aussicht auf etwaige Lichter zu haben und erklärte mir, wann welcher Bus wohin fährt. Besonders interessierte mich dabei, welcher Bus wann zum Eishotel nach Jukkasjärvi fahren würde. Als mir die gute Frau so davon erzählte, fiel ihr auf, dass ja Freitag war, und am Wochenende gar keine Busse fahren. Somit war klar, dass ich nur zum Eishotel kommen könnte, wenn ich noch heute startete. Ein kleiner Plan zum Mitnehmen verriet mir, dass ich um 14:35 hinkommen könnte und nun war es etwa 13:00. Ich machte einen Anruf zur Buchung einer Elchsafari für den folgenden Tag und anschließend gingen wir drei wieder zur Herberge zurück, um die PCs wegzustellen. Direkt weiter gingen wir zur Kiruna Kyrka.

Zunächst machte ich von allem, was mir wert war fotografiert zu werden, Fotos und nach einem Moment in respektvoller Stille verabschiedete ich mich von den zwei Mädels, um meinen Bus zum Eishotel zu bekommen. Der Himmel über Lappland war bereits pechschwarz und nur die Lichter von einzelnen Häusern erleuchteten die Straßen, durch die man ging. Am Horizont konnte man noch die LKAB-Erzgrube erkennen, deren Lichter diese Gegend wie eine pulsierende Metropole (für schwedische Verhältnisse!) erscheinen ließen. Als der Bus kam, stellte ich erleichtert fest, dass man im Bus noch mit Bargeld ein Ticket kaufen konnte. Das geht bei Västtrafik im Raum Göteborg/Borås leider nicht. (Wenn man dort kein Ticket hat und eines im Bus erwerben muss, kostet die Fahrt gleich 9 Kronen mehr, als der eigentlich Preis für eine Einzelfahrt beträgt). Die Fahrt hin zum und zurück vom Eishotel kostete mich 65 Kronen und nach Bezahlen ging es mit der Linie 501 der Länstrafiken Norrbotten nach Jukkasjärvi zum Eishotel. Die Fahrt sollte nach Plan eine halbe Stunde dauern, und nach 20 Minuten waren wir schon dort. Eigentlich lagen 5 Haltestellen zwischen „Kiruna Busstation“, wo ich einstieg und „Jukkasjärvi Icehotell“, wo ich ausstieg, doch der Bus  musste nur an einer davon halten und ich sparte folglich etwas Zeit. Der Anblick, der sich mir bot, war eher unerwartet, weil das Hotel dort tatsächlich gleich am Straßenrand stand. Ich dachte zuvor immer, es stünde weit abseits im kalten Nichts Lapplands, doch (erfreulicherweise) war es von der Bushaltestelle praktisch kein nennenswerter Weg. Nach höchstens 30 Sekunden stand ich im „Fanshop“ des Hotels, in dem man auch die Eintrittskarten erwerben konnte, um im Eishotel auf eigene Faust eine Erkundungstour zu starten. Als erstes betrachtete ich auf Empfehlung der Frau an der „Hotelrezeption“ die Kapelle, weil sehr bald schon dort Hochzeiten stattfinden sollten. Anschließend ging ich wieder ins Hotel um die „Halle“ und dann die einzelnen Zimmer zu betrachte. Neben Eis- und Schnee-Zimmern, die im Preissegment das günstigste sind, das man bekommen kann gab es noch etliche „Art Suites“. Die Bilder sieht man sich am besten mal selbst an. Ich denke, die sprechen für sich. In jedem einzelnen Zimmer dachte ich „Wooooow“ und dass dieses noch besser oder zumindest auf andere Weise eindrucksvoll war, als das vorherige, also viel Spaß beim Schauen:

(Die Eishotel-Kapelle)

 

(Eingang und Eingangsbereich des Eishotels)
 
  

(Eine Standard-Suite im Eishotel)
  

(eine Auswahl von Bildern sog. Art Suites (z.dt.: Kunstzimmer))
-Arktikos
 
-Retro Drive
 
-Bubblesuite
  
-Art Deco
 
-Frigid Dare
  


Nachdem ich mit dem Hotelbereich fertig war, stand ein Punkt auf der Tagesordnung, der mit auf meiner Todo-Liste für den gesamten Schwedenaufenthalt stand: Einen Vodka aus einem Eisglas in der Original Absolut-Icebar zu trinken. Die anderen „Icebars“ sind bestimmt toll, aber eben nicht das Original. Ich erfuhr aber, dass die anderen aus Eis hergestellt werden, dass extra aus Jukkasjärvi an die jeweiligen Orte (zum Beispiel Oslo und Stockholm) gebracht wird, also ist wenigstens das Material überall original. Wie dem auch sei, für einen Preis, den ich nicht nennen möchte erfüllte ich mir dann den Wunsch, aus einem Eisglas einen Wodka in der Icebar des Hotels zu trinken. Wie der Name der „Absolut Icebar“ schon nahelegt gibt es original schwedischen „Absolut Wodka“ zu trinken. Ich bestellte ihn in der Variante „Absolut Vanilla“ und muss sagen, dass der gar nicht so schlecht war. Der Nachgeschmack war etwas komisch, hatte nichts von Vanille oder Wodka, war aber auch nicht übel. Flaschenweise würde ich das Zeug jetzt aber nicht erwerben. Dennoch hab ich aus einem Eisglas meinen Wodka getrunken, auch die Icebar bis zum Erbrechen fotografiert und konnte mich eigentlich auf den Heimweg machen. Ich war jetzt etwa 2 Stunden vor Ort und hab alles gesehen. Ich ließ es mir nicht nehmen, noch durch den Fanshop zu laufen und nach einem netten Souvenir Ausschau zu halten, wurde aber nicht fündig und trat ich die Reise ohne an. Auf dem Rückweg machte der Bus noch an einer Haltestelle mehr Stopp und zwar direkt vor dem Eingang zum „IRF“, also dem „Institutet för rymdfysik“, dem schwedischen Institut für Raumphysik, wenn ich das mal so übersetzen darf. Es gibt in der Nähe ja, wie der ein oder andere weiß die Esrange-Raketenbasis, von wo aus zu experimentellen Zwecken ab und zu Raketen ins All geschossen werden, um einige Minuten später wieder auf den Boden zu gelangen. Die dazu gehörenden physikalischen Experimente werden also dort geplant und ausgewertet. Nach diesmal einer guten halben Stunde war ich dann wieder zurück in Kiruna und weitere 20 bis 30 Minuten später auch in der Herberge bei Susan und Jasmin. Auf dem Weg besorgte ich noch ein paar Äpfel für den Fall, dass sich auf der morgigen Elchsafari die Gelegenheit ergeben sollte, Elche auch zu füttern.



Jasmin versuchte schon seit längerem, Eisgläser selbst herzustellen. Dazu hatte sie verschiedene Konstruktionen mit Wasser auf unsere Fensterbank gestellt und begutachtete nun die (Zwischen-) Resultate. Leider sollte an diesem Abend kein Eisglas zur Verfügung stehen und so tranken wir eben aus normalen Gläsern diverse Getränke, die ich aus der Küche besorgt hatte. Angesichts des bewölkten Himmels bestand nicht wirklich viel Hoffnung auf Polarlichter, aber im Zuge unserer ungeheuren Ahnungslosigkeit über deren Auftreten und Sichtung spazierten wir noch eine Weile durch die Gegend und blickten unzählige Male zum Himmel empor… (natürlich) ohne Polarlichter zu erblicken. Bevor wir hinaus gingen nässte Jasmin noch meine kaputte Jeans ein und vergrub sie im Schnee um am nächsten Tag das "Jeansexperiment" durchzuführen.

Nach der Heimkehr passierte dann nicht mehr viel. Ich teilte den Mädels noch mit, dass mein Wecker am nächsten Morgen schon um 7:30 klingeln würde, weil ich mich dann für meine Elchsafari bereit machen müsste. Meinen Rucksack konnte ich ja noch am Vorabend packen und die Klamotten bereitlegen, aber anziehen und frühstücken musste ich eben noch am Morgen.

Der dritte Tag in Kiruna und der vielleicht ereignisreichste in Schweden (8. Januar)

Ich versuchte, alles was ich im Zimmer machen musste (Frühstücksbrot schmieren, Anziehen usw.) möglichst leise zu machen. Als ich das Haus dann verließ musste ich zunächst zum Hotel „Arctic Eden“ marschieren. Dort sollte mich „Johnny“, so war der Name des „Guides“ um viertel vor 9 abholen. Ich war gegen halb 9 dort, meldete mich an der Rezeption als einer der wartenden an und 10 Minuten später war Johnny schon da und begrüßte mich nach einem Blick auf einen Zettel mit der Frage „Sind sie Scheiderman?“ Ich bejahte, teilte ihm mit, mich Peter nennen zu können (in Schweden wird sich - solange nicht die Königsfamilie beteiligt ist - mit dem Vornamen angesprochen und gedutzt). Ich stieg in seinen VW Caravelle und wartete mit zwei Holländern darauf, dass aus dem gleichen Hotel noch zwei Briten kamen, die auch diese Tour mitmachen wollten. Was uns dann auf der Tour erwartete, war (schönerweise) mehr, als ich erwartet hatte, bzw. als im Prospekt angegeben war. Wir fuhren nicht nur durch schwedisch Lappland, um nach Elchen Ausschau zu halten, wir fuhren sogar bis nach „Nikkaluokta“, wo wir nicht nur den Kebnekaise sehen konnten, der mit (2104 Meter) der höchste Berg Schwedens ist, sondern praktisch in einem kleinen Sami-Dorf waren. Die Sami sind die Ur-Einwohner Lapplands und leben nach wie vor traditionell. Sie haben auch ihre eigene Flagge. Eine der Sami betreibt in Nikkaluokta das gleichnamige Restaurant mit großen Panorama-Fenstern. Zur Tour dazu gehörte, dass uns Frau Sarri, so war ihr Name Kaffee und Plätzchen/Teilchen servierte. Das alles fanden wir an einem Buffet vor, konnten sogar zwischen verschiedenen Teesorten wählen und mussten nur verraten, wie viele Elche wir gesehen hatten. Und damit geht es jetzt auch erst einmal weiter:

Nachdem wir mit dem Bus von Kiruna aus betrachtet „hinter“ die LKAB-Erzgrube fuhren kamen wir in ein Gebiet, in dem etwa 700 Elche leben sollten. Es sei schwer, sie zu zählen, ohne sie mit irgendwas zu markieren, aber jährlich macht sich wohl der ein oder andere Biologe die Mühe, eine ungefähre Zählung vorzunehmen und immer wieder kommen sie auf einen Wert, der sich um die 700 herum bewegt. Auch erfuhren wir, dass ein Elch im Sommer, wenn er auch genug zu fressen findet, etwa 40 Kg an Nahrung zu sich nimmt und damit Winterspeck ansetzt. Im Winter, wenn der Boden vollgeschneit ist, und der Boden weniger Nahrung „liefert“ sind es nur 10 Kg am Tage. Und wie wir das hörten, bremste unser Fahrer (zur Erinnerung: der Johnny) schon langsam ab, weil er am Straßenrand die ersten Elche erblickte. Ohne, dass diese sofort wegliefen kamen wir zum stehen und eine gute Minute später, als sich die Elche, die sehr schlecht sehen, aber umso besser hören, an die Anwesenheit eines Gefährts mit laufendem Motor gewöhnt hatten, öffneten wir langsam und so leise wie möglich, Fenster und Türen, um gute Fotos zu machen. Das ging so mit locker 10 Stopps, bei denen wir Elche sahen weiter und endete erst, als wir zu unserer linken einen langen Fluss erblickten und rechts von uns, wo zuvor noch Wald war, felsige Gegend bzw. fruchtlose Berge sich erstreckten.

Von da an, fuhren wir mit erhöhter Geschwindigkeit weiter nach Nikkaluokta, wo uns das oben beschriebene erwartete. Wir saßen an einem großen runden Tisch, hörten uns von Johnny weitere Geschichten über die Sami an und berichteten einander über unsere Motivation, Lappland zu besuchen, was wir schon gesehen hatten, was wir noch sehen wollten und was sonst noch geplant war.

 

Eine der Geschichten über die Sami war, dass der Stammesälteste von Nikkaluokta, eine Art Schamane war, der sogar das Wetter vorhersagen könne. Tatsächlich sollen ihm täglich korrekte Vorhersagen gelingen und eine Anekdote besagte, dass er seinem Stamm eines Jahres davon abriet, die eigene Rentierherde in eine bestimmte Gegend zu führen, weil dort bald furchtbarer Regen fallen sollte, der zu Überschwemmungen führen könnte. Auf sein Geheiß hin, ließ man davon ab und tatsächlich war die Gegend bald darauf überschwemmt und die Herde dank dem Schamanen gerettet. Das zu glauben oder nicht zu glauben, überlasse ich jedem (Leser) selbst, aber ich für meinen Teil gewinne der sachlichen Berichterstattung unseres Guides (Johnny) und meiner grundsätzlichen Offenheit für derartige Kompetenzen bei verschiedenen Ureinwohnern das Gefühl ab, dass es wohl stimmt.

Eine andere Anekdote ist, dass in den jungen Jahren von Kiruna, als die Stadt noch kleiner war (derzeit zwischen 18000 und 22000 Einwohnern laut Johnny, je nachdem, was man alles zur Stadt Kiruna noch dazuzählt) die Sami im Todesfalle mit der Ablieferung des Toten in der Stadt, zwecks Beerdigung auf dem Friedhof so lange warteten, bis sie genug in der Stadt zu tun hatten, und sich die Fahrt dorthin auch lohnte. Nur wegen einem Toten wurde die damals sehr lange und beschwerliche Reise gar nicht angetreten. Stattdessen wurde dann immer ein Loch von einem Meter Tiefe gegraben und der Leichnam praktisch im „Kühlschrank Erdreich“ aufgebahrt, bis es in die Stadt ging.

Auf dem Rückweg sahen wir keine Elche mehr. Eigentlich war das recht verwunderlich, aber nicht weiter schlimm, denn das Verschwinden der Elche wurde durch etwas anderes kompensiert: Rentiere. Auch diese Tiere erblickte ich damit auf dieser Tour das erste Mal in meinem Leben in freier Natur. Ich weiß nicht, wie die Tiere das angestellt haben, aber es wirkte wie abgesprochen. Auf der Hinfahrt zum Sami-Dorf stellten sich die Elche an die Straße und auf der Rückfahrt die Rentiere. Jedes dieser Tiere gehörte irgendwem, teilte uns Johnny mit, weil uns nicht klar war, wieso jedes ein Halsband trug und nicht immer in der gleichen Farbe.

Einen weiteren Halt legten wir auf einer Brücke, etwa 500 Meter abseits der Hauptstraße ein. Dort lief ein Fluss, der einfach nicht zufrieren wollte. Johnny konnte uns nicht genau erklären, warum das so war, vermutete allerdings, dass es was mit der Wasserqualität zu tun haben könnte (weil es zum Beispiel mit irgendwas aus dem Erdreich versetzt sein könnte, das den Gefrierpunkt weit unter die in Lappland herrschenden Temperaturen fallen ließ), oder mit der Fließgeschwindigkeit des Wassers, oder beidem, oder: etwas ganz anderem...

Nach der Rückkehr bezahlte ich artig, dankte, für diesen wirklich tollen Ausflug, wünschte den anderen Teilnehmern noch einen schönen Aufenthalt in Lappland und wir wünschten einander, heute Abend mal Polarlichter zu sehen. Laut der Tante vom Touristenbüro sollte es ja in dieser Nacht aufklaren und die Chance sehr gut sein, Polarlichter zu sehen. Ehrlichgesagt war ich schon sehr besorgt, weil das unsere letzte Nacht in Kiruna werden würde und ich trotz allem, was sich mir an Anblicken und Ausflügen bot, Polarlichter am liebsten sehen wollte und wirklich unglücklich wäre, wenn sich mir dieses Naturschauspiel nicht bieten würde.

Nach meiner Heimkehr ins Zimmer, fand ich Susan und Jasmin immer noch in ihren Betten vor, allerdings waren sie wach und begrüßten mich unter anderem mit der Mitteilung, dass die Heizung im ganzen Haus ausgefallen sei. Ein Blick auf das Zimmerthermometer verriet mir auch, dass die Temperatur von den zuvor angezeigten 30°C auf 17°C gefallen war. Mir kam es, da ich ja stundenlang draußen war, immer noch recht warm vor, doch als nach einer guten halben Stunde meine halb abgefrorenen Füße nicht auftauten, wurde mir klar, dass das Problem auch ganz direkt mich betraf. Der Vermieter erklärte später, dass er sich darum zu kümmern versucht. Das erste was passierte war jedoch, dass wir zunächst das Festmahl des Trips nach Kiruna zelebrieren würden und so die kalte Wartezeit in der Küche verbringen würden, wo heiße Herdplatten und kochendes Wasser verhinderten, dass es zu schlimm wurde. In der Zwischenzeit brachte der Vermieter uns schon mal einen wirklich winzigen Heizlüfter, der immerhin in der Lage war, unser Zimmer auf erträgliche 20°C zu erhitzen, nachdem die Temperatur sogar noch auf 16°C gefallen war. Bei dieser Temperatur konnten wir aber bequem essen und noch währenddessen stellten wir fest, dass die Heizung wieder in Stand gesetzt worden war. Aber was gab es nun zu essen?

Wir kochten uns die Kartoffeln, die ich noch übrig hatte, Spaghetti, Ravioli Bolognese, vermehrten die Soße zwecks Vermischung mit den Spaghetti mit einer Ladung passierter Tomaten und kochten meine polnischen Würstchen, die ich dank meiner Eltern eingeschweißt aus Deutschland einfliegen konnte. Von diesen aßen nur Jasmin und ich, weil ja die Susi davon wirklich kein Fan ist. Jasmin bescheinigte den Würstchen dafür, sehr gut zu sein, was mir ja bereits vorher bekannt war. Als Dessert gab es noch Äpfel (für mich) die ich den Elchen nicht zu Essen geben konnte, weil wir einfach nicht an die rangekommen wären, ohne dass sie weglaufen. Angeblich scheuen die Elche (so sagte es Johnny) den Geruch, den sie von Menschen wahrnehmen. Vielleicht hätte ich dank des AXE-Duschgels Glück bei den Elch-Weibchen gehabt, aber das bleibt nun auf ewig ein Geheimnis (für mich).

Sobald es Abend wurde, stand ein Gang zu der von der Frau im Touristenbüro empfohlenen Stelle in Kiruna an. Nachdem ich geduscht, und anschließend ein wenig an diesem Blogartikel geschrieben habe gingen wir dann los. Als erstes stand jedoch noch ein interessantes Experiment auf dem Plan. Mir sind ja, wie der ein oder andere Herr nachvollziehen kann, diverse Hosen im Schritt aufgescheuert und da ich bei einem bestimmten Modell nicht mehr den Willen aufbringen konnte, sie dort zum wohl fünften Mal zu nähen, weil dann einfach 2 Millimeter weiter ohnehin wieder alles offen sein würde, wie es bislang immer war, konnte ich die Hose zur Überprüfung folgender Fragestellung zur Verfügung stellen. Kann eine Hose in Kiruna so gefrieren, dass man sie zerbrechen kann? Dazu hatten wir sie tags zuvor in der Dusche ordentlich nass gemacht und anschließend in den Schneebergen draußen vor dem Haus eingebuddelt. Nun war es an der Zeit nachzuschauen, ob sie auch bricht. Wir buddelten sie aus und mussten leider feststellen, dass dazu wohl nur flüssiger Stickstoff in der Lage sein würde. Das Wasser in der Hose war (natürlich) zu Eis geworden, doch brechen konnte die Hose nicht. Man konnte sie schon mit einiger Mühe noch biegen, was ein lautes Knatschen zur Folge hatte, doch brach die Hose einfach nicht.

Als wir nach diesem gescheiterten Experiment losgingen fiel Jasmin gleich ein blasser Lichtstreifen am Himmel auf. Er bewegte sich nicht und kam mir eher vor wie das Produkt der Arbeit eines großen Scheinwerfers, allerdings verwirrte (mich), dass der Strahl gerade am Himmel entlang verlief. Wie sich später herausstellte, war das bereits ein Polarlicht. Ich dachte immer, diese Lichter würden sich durch Bewegung auszeichnen und dadurch das Groß ihrer Schönheit gewinnen, doch treten sie scheinbar auch statisch auf. Je näher wir dem Campingplatz und den kleinen Hügeln dahinter kamen, zu denen wir laut Hinweis des Touristenbüros gehen sollten, umso sicherer waren wir uns letztlich auch, dass es sich um ein Polarlicht handelt. Von dem anfänglichen Weiß war nicht mehr viel übrig, als wir die für uns wohl beste Stelle gefunden hatten. Es schimmerte jetzt deutlich grün und veränderte an einem „Ende“ definitiv auch langsam seine Form. Als es dann allerdings weniger wurde, war ich zwar beruhigt, ein Polarlicht noch entdeckt zu haben, war allerdings von der Art, die uns zu Augen trat, ein wenig enttäuscht, weil ich mir mehr erhofft hatte. Auf dem Rückweg quatschten wir noch etwas und nach einem weiteren Blick auf den Himmel kam dann die Erlösung für mein Gemüt. Es war wieder da, und diesmal deutlich greller, und nicht so statisch. Es tanzte richtig. Im Laufe der folgenden (vielleicht 15) Minuten nahm es noch weitere verschiedene Farben an und verzückte hörbar etliche Menschen in der näheren Umgebung. In diesem Moment überkam mich pure Freude und ein wunderbares Gefühl der Erleichterung. Da tanzten tatsächlich in mehreren langen Strahlen am Himmel verschiedene Farben. Ich habe auf Youtube kein Video gesehen, auf dem ein in meinen Augen schöneres Polarlicht vorkommt, als dieses.

Das Pech für alle meine Leser ist, dass meine Kamera, bzw. die Leihkamera meines Bruders nicht in der Lage ist, Bilder vom Himmel zu schießen, auf denen die Polarlichter wirklich gut zu sehen sind. Nur auf wenigen kann man überhaupt etwas erkennen und anderen konnte ich durch Nachbearbeitung am PC noch ein paar Details verpassen, die den Betrachtern ein wenig Aufschluss darüber geben, was wir dort am Himmel sehen durften. Am besten ich lassen auch hier die Bilder für sich sprechen, allerdings mit dem Hinweis darauf, dass diese bereits nachbearbeitet sind:

Nach der Heimkehr diskutierten wir das gesehene, indem wir Eindrücke austauschten. Jasmin schaute mehrfach aus dem Fenster, weil ihr Platz am Tisch im Zimmer so lag, dass sie in die Richtung blicken konnte, in der das Polarlicht zuvor aufgetreten war. Einmal hat sie uns tatsächlich nochmal auf einen Schimmer Polarlicht aufmerksam machen können, aber dann war es auch wieder vorbei.

Der letzte Tag in Kiruna (9. Januar)

Am nächsten Morgen stand die Abreise im Vordergrund. Obwohl am Vorabend schon alles eingepackt wurde, was nicht mehr benötigt worden wäre, gab es noch einiges, was im Zimmer herumflog. Direkt nach dem Aufstehen entzog ich meinem Bett die Wäsche, packte diese und etliches anderes Zeug ein und irgendwann frühstückten wir. Dann räumten wir das Zimmer so gut wie möglich auf und machten uns fertig zum endgültigen Abschließen. Als wir mit all unserem Zeug unten in der Küche waren, brachte ich den Schlüssel weg und Jasmin und Susan bereiteten heiße Getränke für die Thermokannen und Flaschen vor, die uns auf der Rückfahrt (laut Fahrplan insgesamt 20:42 Stunden Reisezeit mit 19:36 reiner Fahrtzeit) als Proviant dienen sollten. Anschließend wurde schon Mittag gekocht. Diesmal auf der Speisekarte standen die Ravioli, die von gestern noch übrig geblieben waren, weitere Spaghetti und Kochschinken, den sich die Jasmin in Speckmanier angebraten hatte. Zum Dank für das Kochen spülte ich alles ab und verstaute mein Besteck, Salz, Pfeffer und was sonst noch zu verstauen war in meinen Rücksäcken. Anschließend machten wir uns langsam aber sicher auf den Weg zum Touristenbüro, wo wir gedachten, die kommenden Stunden auszuharren, die als Wartezeit auf das Eintreffen des Nachtzuges, der uns nach Stockholm bringen sollte, noch blieben. Leider wurde daraus nichts, denn wie sich herausstellte, war das Touristenbüro an Sonntagen geschlossen. Ich ahnte schon, dass unser Aufenthalt in Kiruna enden würde, wie er begonnen hatte, nämlich mit stundenlangem Warten in einem Flur vor dem ICA, doch es wurde der Vorschlag gemacht in der sehr wohl geöffneten Pizzeria fast nebenan einfach Getränke zu ordern und sich für die kommenden Stunden hinzusetzen. Ich habe mir, obwohl gesättigt, sogar eine Pizza gegönnt, um zu verhindern, dass der „Koch sich ob unserer gräme“. Da wir in der Pizzeria noch Zugang vom WLAN-Internet-Zugang des Touristenbüros hatten, saßen wir auch eine ganze Weile mit unseren Notebooks in der Pizzeria, wie so ein NERD-Club, der immer und überall vor dem PC hängt. Letztlich diente das aber auch guten Dingen. Ich informierte mich endlich wieder über meine E-Mails, las Nachrichten auf StudiVZ, Skype und Facebook und las in den Blogs aus Israel. An dieser Stelle: schöne Grüße nach Israel an Johnny (diesmal den deutschen) und Sven (alias Bowli).

Nachdem wir die Pizzeria verlassen hatten gingen wir direkt zum Bahnhof, gingen nicht über Los und zogen keine 2000 DM ein. Wir warteten noch eine gute halbe Stunde auf den Zug, anschließend eine weitere auf dessen Abfahrt und befanden uns auf dem Weg nach Stockholm, wo ich diesen Bericht hier fertig geschrieben habe.

Weil ich auch denke, dass die Rückreise inhaltlich dem erlebten nicht das Wasser reichen kann, beende ich an dieser Stelle diesen Bericht mit dem Hinweis, dass uns mir Aussteigen aus dem Zug in Stockholm aufgefallen war, dass es trotz Minusgraden in Schweden ganz schön warm sein kann. Das einzige was mir noch zu sagen bleibt ist, dass ich an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Susan und Jasmin ausrichte, die diese Reise begleitet und mit zahlreichen erheiternden Momenten bereichert haben. Danke!

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31.12.2010 – Wieder in Schweden: das Neujahrsfest in Bildern

Anfangs waren wir noch auf Susi’s und Jasmin’s Etage in der Tunnlandsgatan 13 gemeinsam mit Chi und Susi’s Besuch (4 Leute aus ihrem Kreis Tuttlingen nahe Stuttgart)

Dann war es irgendwann Mitternacht und im Kreise von Susi mit Anhang, Jasmin und mir gönnten wir uns den Anblick des Feuerwerks von Susan’s Balkon aus

Dann ging es runter zu allen anderen, die noch in Borås geblieben sind oder (wie ich) zurückkamen

Und dann ging es wieder hoch…aber nicht für lange Zeit

Die Kerstin hatte bei sich in der Tunnlandsgatan 15 (wo auch ich wohne) eine andere Party und schaffte es, uns rüberzulocken und…mit ihr und den anderen Anwesenden SingStar zu spielen…

Natürlich flossen Sekt und andere alkoholische Getränke und natürlich spielten wir nicht nur SingStar. Es war weiterhin eine der vielen Parties in Borås, wo jede Menge herumgeblödelt wurde…

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21.12.2010 – Ein Heimweg mit Pannen und eine zweifelhafte Überraschung

Wie stellt man sicher, dass jemand zu Hause ist, wenn man ankommt, ohne, dass diese Leute davon wissen und wenn man keinen Schlüssel hat? In meinem Falle musste ich sicherstellen, dass meine Eltern bei meiner Heimkehr daheim sind, wenn ich ankomme und nicht unterwegs sind, weil sie z.B. noch Weihnachtsgeschenke kaufen wollen. Meine Eltern hatte ich in dem Glauben gelassen, dass ich am 23. Dezember in Düsseldorf landen würde und mein Plan war, sie zwei Tage zuvor mit meiner Anwesenheit zu überraschen. Ich teilte ihnen also rechtzeitig mit, dass ich am 21.12 online einchecken könnte und ihnen dann abends gerne weitere Informationen zum Thema Flugverschiebungen und -Ausfälle wegen vereister Flieger und/oder Landebahnen zukommen lassen wollte und sie sich doch bitte so ab 8 Uhr an dem Tag bei Skype online halten sollten. Was ich nicht oder nur zu optimistisch einkalkulierte war, dass man an Flughäfen einige Zeit auf sein Gepäck warten muss und auf den Straßen gerne mal Stau ist. Ich organisierte meine Heimfahrt mit Nils Hilfe, der sich bereiterklärte, mich am Flughafen abzuholen und daheim abzuliefern.

Von Anfang: Für die Fahrt von der Tunnlandsgatan zum Flughafen Landvetter in Göteborg hatte noch Jasmin sich bereiterklärt, mich zu fahren. Ohnehin wollten sie und Susan an dem Tag in Göteborg noch beim Schlussverkauf zuschlagen…also shoppen gehen. Nachdem ich meinen Koffer bei ihr im Kofferraum abgeladen hatte, stellte ich allerdings fest, dass ihr Auto ziemlich schief stand. Bei einem Blick auf die Seite musste ich sehen, dass der Wagen hinten rechts nicht auf einem Reifen stand. Dieser lag flach unter dem Auto und diente als Bock, der verhindert, dass die Achse auf dem Boden aufliegt. Mein erster Gedanke war, dass irgendein **** die Schrauben brauchte und sich die einfach von Jasmins Corsa gestohlen hat. Jasmins provisorische Lösung war, dass von jedem anderen Reifen eine Schraube abgenommen werden sollte und der Reifen dann mit drei Schrauben, wie alle anderen dann auch, wieder befestigt werden soll. Dann würden wir sofort zu einer Werkstatt fahren, die fehlenden Schrauben kaufen, anbringen und mehr oder weniger glücklich weiterfahren. Was ich nicht wusste, weil mir dazu das Wissen fehlte war, dass jemand es tatsächlich auf die Nabenmutter am Hinterreifen abgesehen hatte. Denn auf der Höhe der Bushaltestelle Fjärdingskolan, an der ich immer in den Bus steige, wenn ich irgendwo hin möchte, fiel der Reifen mitsamt Abdeckung der hinteren Trommelbremse ab. Ab jetzt war klar, dass Polizei und Abschleppdienst her mussten und die Fahrt nach Göteborg so ziemlich gestorben war. Während wir Jasmin trösteten und versuchten, das sich auch noch einstellende Weinen wieder zu stoppen sah ich mich gezwungen, den André kurzfristig zu bitten, mich noch zum Flughafen zu fahren. Meine Zeit in Borås endete also damit, dass ich beim André ins Auto stieg, und den verunfallten Corsa mitsamt Susan und weinender Jasmin zurücklassen musste. Ein vorläufiges Ende, das ich mir so ganz sicher nicht vorgestellt hatte.

Am Flughafen angekommen ging alles mehr oder weniger glatt. Ich traf noch Matthieu und Erik aus Borås und passierte mit Erik gemeinsam den Sicherheitscheck. Bald darauf kam mein Flieger aus Berlin an. Organisatorisch ging alles gut, nur hatte mein Flieger leider “etwas” Verspätung. Er landete, als er schon wieder abfliegen sollte und bis dann das ankommende Gepäck ausgeladen, das abgehende Gepäck eingeladen, die Maschine aufgetankt wurden und die Passagiere tauschten, verging unglücklich viel Zeit. Aus meinem Plan in Berlin im Hard Rock Café Mittag zu Essen wurde dann nichts. Ich konnte kurz vor Verlassen des Gates noch mit ansehen, wie die Tragflächen enteist wurden und dann wurde ich kurz darauf schon wieder in meinen Sitz gepresst.

Am Flughafen Tegel schlug ich die Zeit im Starbucks bei einer Tasse Kaffee und mit der Suche nach der Aussichtsplattform (ohne Erfolg) tot. Das einzige, was ich in diesem Zusammenhang vorfinden konnte war eine Lounge für Kunden der British Airways. Möglicherweise war ich aber auch nur im falschen Terminal, um eine öffentliche Aussichtsplattform, wie sie meiner Ansicht nach jeder Flughafen hat, zu finden.

Beim Start des Fluges nach Düsseldorf kam die erste nennenswerte Verspätung auf, weil der Flieger noch auf Leute wartete, die aus Bangkok umsteigen mussten. Die zweite üble Verspätung trat dann dadurch auf, dass der Flieger kein Gate bekam, mitten auf einer Freifläche halten musste, und wir dann mit einem Bus vom Flieger zum Flughafengebäude gebracht wurden, der tatsächlich einen Stau gefunden hat und uns eine ganze Weile lang, nicht abliefern konnte. Weiter ging es dann damit, dass bei der Gepäckausgabe mein Koffer der vorletzte war, der überhaupt auf das Band geladen wurde, was ich daran erkannte, dass neben mir nur noch eine Person am Gepäckband stand. Als ich dann in die Flughafenhalle kam, stand Nils glücklicherweise immer noch da und nahm mich quasi in Empfang. Dann verfuhren wir uns mit dem Auto noch und als ich dann daheim war, hatten wir es kurz vor 10 (22 Uhr). Die Tür daheim öffnete sich und noch bevor ich „Überraschung“ sagen konnte, wurde ich gefragt, ob ich denn verrückt sei. Meine Eltern saßen also ab 8 Uhr vor dem PC und fragten sich schon was los sei, dass ich nicht online wäre. Sie hatten auf meiner schwedischen Handynummer angerufen und niemanden erreicht, was daran lag, dass der Anruf zu einer Zeit kam, zu der ich schon meine deutsche SIM-Karte eingelegt hatte. Die Sorgen meiner Eltern führten bei meinem Anblick in der Tür (nebst Nils) dann zu einer Mischung aus Verärgerung und Erleichterung und erst im Laufe des Abends wurde daraus dann langsam aber sicher wirklich Freude darüber, dass ich schon da war. Nils wurde eingeladen noch etwas zu bleiben und meine Eltern holten sogar Pizza für alle. Der Brüller war dann, dass meine Mutti noch die Oma anrief und das Telefonat mit den Worten „Du, der Peter!“ begann. In dem Moment – so erzählte meine Oma am nächsten Morgen, als ich sie zum Frühstücken besuchte – schlotterten ihr die Knie, weil sie dachte, mir sei etwas passiert. Aber nichts war passiert, ich war nur da, zur Überraschung aller (außer Nils) einfach nur eher…

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Die letzte Woche ist angebrochen…Gedanken

Kein Datum in der Überschrift eines Artikels verheißt, dass es nicht darum geht, von etwas erlebtem zu berichten. Wer unbedingt etwas davon lesen möchte, dem sei gesagt, dass ich mien letztes Klausurergebnis habe und alle Prüfungen hier an der “Högskolan i Borås” erfolgreich hinter mich gebracht habe, die meisten mit der Bestnote.

Nun ist es seit Montag so, dass sich die Zahl der Tage, die ich noch zur Gänze in dieser Stadt, in diesem Zimmer, bei diesen Leuten verbringen darf, fast schon an einer Hand abzählen lässt. Damit einher geht ein Wandel in der persönlichen Gefühlswelt. So, wie sich alles verändert hat, als ich im August hier angekommen bin und mich darauf einlassen musste (und wollte), erstmal in Schweden zu sein, so richte ich mich schon seit Tagen auch darauf ein, demnächst vieles, das ich hier kennen lernen durfte zu vermissen und diejenigen Dinge wieder um mich zu haben, die vor meinem Aufenthalt hier täglich meinen Alltag gestalteten.

Der Wechsel des persönlichen Umfeldes ist wie ein Adrenalinschub für die Aufmerksamkeit, die man plötzlich allem widmet. An einem “neuen” oder “neuen alten” Ort nimmt man bekanntlich alles viel bewusster wahr, würdigt jede Kleinigkeit mit Beachtung, sei es (wie bei mri im August), um eine Gegend neu kennen zu lernen oder sei es, um auch mal festzustellen, was sich denn alles so verändert hat, seit man mal weggegangen ist (wie es in einer Woche für mich defintiv sein wird).

Wenn ich von Wandel der persönlichen Gefühlswelt schreibe, dann meine ich damit unter anderem, dass ich mich frage, was ich aus Schweden mitnehme und wie sich meine Heimat, insbesondere meine Familie und meine Freunde so gemacht haben. Mehr oder weniger isoliert voneinander hat jeder bekanntlich sein Leben gelebt und ich meins. Ich hoffe, dass die Leute, die mir wichtig sind, mich noch ebenso wertschätzen und ungeachtet der Tatsache, dass diejenigen, bei denen ich das so sehe, es schon merken werden, und ungedachtet dessen, dass sich bei meiner Familie in diesem Punkt nichts ändern wird (niemals!), bleibt doch eine gewisse Neugier. Eine Neugier auf das, was mich da erwartet und ich zweifle nicht, dass ich jede Kleinigkeit, die ich nicht erwartet habe, sogleich bemerken werde.

Mein Freund aus Essen, der Jonathan (selbst gerade im Auslandssemester in Tel Aviv), hatte mich das mal in einem Skype-Telefonat gefragt…was ich denn aus Schweden mitnehmen werde. Wissend, dass er sich auf immaterielle Dinge bezog und spontan an dieser Stelle natürlich abstrakte Dinge, wie die Erfahrung im Hinblick auf das Leben in einer WG, das Leben im Ausland, wo im Alltag nicht deutsch gesprochen wird, das “Klarkommen” alleine und weit weg, wüsste ich nach wie vor keine konkrete Antwort auf diese Frage und ich denke, dass ich erst feststellen werde, was ich mitgenommen habe, wenn ich zurück bin und mir klar wird, was an meinem Leben eigentlich genau anders war, wie viel sich “zu Hause” in dieser Zeit verändert und vor allem, wie sehr man zu schätzen weiß, was man abseits des gewohnten Umfeldes auch gelernt hat und das meine ich sicherlich nicht im akademischen Sinne, sondern im emotionalen, sozialen und auch kulturellen.

Nun ist die Gesamtsituation so, dass ich mit einigen wenigen Abstrichen sagen kann, dass Schweden für mich in jeder Hinsicht ein voller Erfolg war. Daraus leitet sich, wenn man so nachdenklich ist wie ich, gleichzeitig eine Hoffnung ab, undzwar die Hoffnung darauf, dass es weiterhin so schön weitergeht. Wie wahrscheinlich das ist, mag ich mir kaum ausmalen, wenn ich nur bedenke, dass ich bereits für eine allerletzte Prüfung angemeldet bin und spätestens Anfang März auch schon an meiner Diplomarbeit sitze und die Zeit davor neben dem Büffeln für die Prüfung auch mit Recherchen für die letztgenannte Arbeit ausgefüllt ist, aber ich habe gelernt, nicht zu sehr zu versuchen, die Zeit, die mir zur Verfügung steht, im Vorfeld als verplant anzusehen und Raum für Spontaneität zu lassen, bzw. mir einzugestehen, dass dieser Raum da ist und alle meine Versuche, die kommende Zeit vorherzusehen, einer beträchtlichen Unsicherheit unterliegen, niemals in eine korrekte Vorausahnung münden und es folglich immer anders kommt als man denkt. Und siehe da! Ich habe doch schon eine konkrete Antwort auf die Frage, was ich eigentlich mitnehme.

Ich danke für die Aufmerksamkeit!

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18.12.2010 – Die Crazy-Christmas-Abschieds-Feier…Stefan’s letzte Feier in Borås und einige Abschiede

Anna und Jasmin verabschieden sich ins nächste Jahr...Am Morgen dieses Tages organisierte ich mir von der Dieke eine ihrer aufblasbaren Matratzen samt Luftpumpe. Ich musste mein Zimmer mal richtig aufräumen und putzen, weil diesmal Besuch anstand. Orsi kam aus Göteborg zu unserer Weihnachts-Abschieds-Feier und schlief bei mir im Zimmer. Irgendwie bekam ich es hin, dass es den ganzen Tag dauerte und ich schon verspätet zum Vorfeiern in Susans Zimmer erschien. Dennoch hatte ich mich so chic wie möglich angezogen (beste Schuhe, saubere Hose, Hemd, ordentliche Frisur) und fand dort bereits Susan, Orsi, Stefan und Mario vor.

Ich hatte mein Fass Weizenbier dabei, da an diesem Tag der Stefan seinen letzten Abend in Schweden mit uns verbrachte und dieser als alter Bayer mit Anlass dazu gab, mein Fass an diesem Datum „anzustechen“. Mit einem Weizenbier nach dem anderen ging der Abend schon gut los und nach und nach traten noch Anna mit einer ihrer Mitbewohnerinnen, Thomas, André und Jasmin ein. Diese war ganz stolz auf ihr Shirt, auf dem ein Hamster mit Riesenbrille aufgedruckt war. Schlecht sah das wirklich nicht aus, aber ich hab eh “keinen Stil” (Zitat ganz vieler Leute) und kann das eigentlich gar nicht beurteilen.

Als einige von uns mit Tequila fertig waren und ich noch an meinem Weizenbier zugange war (in Kooperation mit Stefan), gingen wir runter in den Saunabereich, wo seit mindestens einer Stunde theoretisch eine Feier im Gange war. Zu dieser Feier sage ich nicht mehr, als dass sie irgendwie klasse war. Ich war nicht betrunken, trotzdem gut drauf, verstand mich mit einfach allen Leuten brillant und das einzig schlimme war, dass ich feststellen musste, dass der Blitz in meiner Kamera ab irgendeinem Zeitpunkt den Geist aufgab, obwohl die Kamera auf den Tag genau seit 6 Monaten (nachdem ich sie am 18. Juni zum Geburtstag bekam) erst in Betrieb war.

Man muss immer auch lernbereit sein!

Im Anschluss an „unseren Aufenthalt“ im Saunabereich entschloss sich Dieke noch für uns zu kochen. Dieses Kochen bestand daraus, dass sie meine Rösti zubereitete, die ich zuvor auch noch extra holen musste. Hätte ich für mich behalten, dass ich welche im Gefrierfach liegen habe, dann hätte ich vielleicht zwei Gänge durch die Kälte weniger über mich ergehen lassen müssen.

Morgan zum letzten mal auf einem FotoNach dem Essen standen Abschiede auf der Tagesordnung. Der erste von Morgan und Liberty. Morgan würde endgültig zurück nach Frankreich reisen und Liberty nur zum Weihnachts- und Neujahrs-Heimaturlaub, doch in Schweden – das stellten wir bereits bei meinem Besuch vor zwei Tagen fest – könnten wir uns aus terminlichen Gründen nicht mehr wiedersehen. Der zweite und nur vorläufige von der Dieke, die am kommenden Morgen abreisen sollte, im kommenden Jahr allerdings auch wieder zurückkehren sollte, um ihr Studium in Borås noch zu Ende zu bringen. Der dritte (eigentlich ja der vierte) Abschied wurde dann vom Stefan genommen. Dieser war auf schwedischem Boden endgültig, ABER: Stefan, wenn du das liest, dann schau mal in deinen Ordner! Jasmin und ich haben dir dort was hineingeschrieben.


Als die Abschiede „zelebriert“ wurden, ging es für Orsi und mich in mein Zimmer, wo wir erstmal eine Mütze Schlaf zu uns nahmen. Am nächsten Morgen kam dann der nächste Abschied. Da Orsi am kommenden Tag auch heimfliegen sollte (nach Ungarn) und nicht mehr wiederkommen würde (nach Göteborg), war auch das hier endgültig. Frühstücken wollte sie nun nicht mehr (am Vorabend hat sie das noch toll gefunden), aber eine Tasse Milch nahm sie noch dankend an. Anschließend verschwand auch sie… :‘(

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16.12.2010 – Das letzte mal die Liberty in Göteborg besuchen

Eigentlich sollte ich die Liberty schon am 12. Dezember in „ihrer“ Stadt besuchen, allerdings hatte sich in der Zwischenzeit ergeben, dass sie an dem Datum noch in England sein sollte, wo sie andere Freunde aus Frankreich besuchen wollte und so verschoben wir das auf diesen Tag. Mein Auftrag war’s zu ihrem Wohnheim zu fahren und zunächst einmal sehen, wo und wie sie dort lebt. Mein Bus hatte leider eine furchtbare Verspätung, sodass ich eine gute Stunde später erst bei ihr war, als ursprünglich geplant.

Nach meiner Ankunft folgte eine ganze Reihe geplanter, jedoch nicht durchgeführter Aktivitäten, so dass der Tag früh drohte, ein Reinfall zu werden. Als erstes wollte sie mit mir zu einem See eine halbe Stunde von ihrem Heim entfernt spazieren. Er sei völlig zugefroren und man könne auf den See selbst steigen, doch angesichts des Regens ließen wir das bleiben. Als der Regen etwas nachließ unterbreitete ich den Wunsch, mal auf eine der Inseln vor Göteborg zu fahren. Jeder mir bekannte Mensch ist dort bereits gewesen, nur ich selbst noch nicht. Wir machten uns also auf den Weg dorthin. Nach der Ankunft stellten wir fest, dass wir ein Schiff um genau eine Minute verpasst hatten, womit sich erklärte was das Ertönen eines Schiffshorns bedeutete, das wir beim Aussteigen aus der Straßenbahn vor Ort vernommen haben. Die 40 Minuten Wartezeit auf das nächste Boot wollte zumindest ich mir selbst nicht geben und so beschlossen wir, wieder zurückzufahren und zu versuchen, auf den “Skansen Kronan” zu marschieren. Nach dem See und den Inseln, war das dann aber schon der dritte Fehlschlag, weil die Stufen hinauf mit einer furchtbar dicken Eisschicht überzogen waren. Was wir dann vorzogen und was auch den ersten Erfolg vom Tage darstellt, war eine Fika beim Kuchenbuffet.

Zeitweise war auch angedacht, dass Mathilde und Marc dort zu uns stoßen, allerdings fiel deren Besuch nach einigem Hin und Her via Telefon letztlich aus. Dennoch hatten wir in dem Café, das sich im Kellergewölbe eines Altbaus nahe der Altstadt befindet, mehrere Stunden gesessen, Kuchen gegessen, Kaffee getrunken und eine dieser wunderbaren ernsten Unterhaltungen geführt, bei der man den anderen nochmal besser kennenlernt, als zuvor. Hier erfuhr Liberty zum Beispiel, dass ich religiös bin, als Messdiener in meiner Gemeinde daheim aktiv bin. Darüber hinaus unterhielten wir uns recht viel über die Wahrnehmung anderer Menschen und persönliche Werte, welche wichtiger sind und welche unter Umständen weniger. Wenn ich es sagen müsste, würde ich nur sagen können, dass wir definitiv länger als 3 Stunden dort zubrachten. Im Anschluss ging es ins Nordstan, das große Einkaufszentrum am Hauptbahnhof von Göteborg, wo wir noch einige Weihnachtsgeschenke einkaufen wollten. Ich wusste genau, dass ich in die „Papéterie“ wollte, wo meine Mutti, für die ich noch Geschenke brauchte, weil ich sie in Stockholm nicht bekommen konnte. In diesem Laden hatte sie noch einige Dinge für sich gesehen, als wir gemeinsam Göteborg besichtigt hatten und jetzt war es an der Zeit, diese erstmal wiederzufinden und für Mutti zu erwerben. Liberty zeigte sich von dem Zeug in diesem Laden dermaßen fasziniert, dass sie nur meinte, der Laden sei ja genau das, was sie immer gesucht hatte und dass er genial sei, worauf hin ich mich nur fragen konnte, was sie die ganze Zeit in Göteborg getan hatte, wenn sie nachher vom shoppen berichtete, dass ihr der Laden nie aufgefallen war.

Als wir das Nordstan verließen und langsam in Richtung Bushaltestelle liefen stießen wir am Kungsportsplats noch auf eine Lichtshow, die wir uns einige Minuten lang anschauten.

Anschließend machten wir uns auf den Weg zurück zu ihr, wo sie schnell ein gestern vorbereitetes Essen aufwärmte und das wir anschließend in den Nachbarflur trugen, wo ein großes Potluck-Dinner stattfand. Hier trafen wir auch wieder auf Mathilde und Marc und ich auf einige Leute, die ich bei unserer Weihnachtsmarkttour schon „kennengelernt“ hatte. Das Essen war hauptsächlich chinesisch, weil einer der Gastgeber ein begeisterter Koch war und noch Woks voller Essen zubereitete, als wir schon dabei waren, seine ersten Gänge zu verspeisen. Vor allem Gab es Huhn. Nebst Hühnersuppe gab es zwei Geflügelbraten, einen süß-sauren und einen scharfen und ganz leckere gebratene Nudeln mit Schweinefleisch. Reis fehlte natürlich auch nicht. Es standen drei Reiskocher-Töpfe, voll mit fertigem Reis zur Verfügung.

Noch bevor das Dinner allerdings zu Ende war, was angesichts der vollen Woks auf dem Herd noch in ferner Zukunft gelegen haben muss, war ich gezwungen, mich von dem Tisch zu erheben, für das Essen zu danken und mich zu entfernen. Der Heimweg stand an und es war schon klar, dass ich nicht mehr am 16. Dezember ankommen sollte und dennoch kann ich sagen, dass der Tag trotz zahlreicher anfänglicher Rückschläge ein sehr schöner war und ich mich von dem Tag an sehr auf die Weihnachts-Abschiedsfeier (vor-)freute, weil dort nebst Liberty auch Orsi aus Göteborg anwesend sein würden.

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13.12.2010 – Schlittschuh-Laufen

Was früher im Dezember laut einem Plan von Liberty auf meiner Tagesordnung für Göteborg stand, aber nicht umgesetzt wurde, das taten wir heute in Borås: Schlittschuhlaufen. In der Ishallen in Borås, der Heimspielstätte der hiesigen Ice Tigers, liehen wir uns für schlappe 50 (oder 60) schwedische Kronen Schlittschuhe aus und kurvten über die Trainingseisfläche des Clubs und hatten dabei noch fast keine Gesellschaft. Der Typ, der uns die Schuhe ausgeliehen hatte meinte irgendwann, dass er jetzt Mittagessen gehen würde und in etwa einer Stunde wieder da wäre. Ansonsten war nur ein Sicherheitsbeamter außerhalb der Eishalle selbst, also in der Vorhalle mal zu sehen und ein junger Vater mit seinem Baby von Sohn auf dem Eis anwesend. Ein großes Gebrüll unsererseits hatte also praktisch niemanden gestört, bzw. wir konnten unser Geschrei verstehen, weil sonst keiner da war, der großartig herumbrüllt.

Ich selbst hatte zweimal die Lacher auf meiner Seite, wie man so manchmal sagt. Einmal bremste ich am Ausgang von der Eisfläche, wo Jasmin auf dem Eis stand und Stefan und Mario draußen saßen. Sobald ich stand rutschte ich aus mir unbekannten Gründen einfach weg und zwar im Stile einer Person, die auf einer Bananenschale ausrutscht. Binnen Bruchteilen einer Sekunde manövrierte ich mich ohne meinen Standort zu ändern in die horizontale und dann abwärts auf den Boden. Folge: Schmerz & Humor…

Ein anderes Mal wollte ich, dass Stefan ein Foto macht, wie ich gestellt gegen eine Wand krache. Er drückte zwar nicht im perfekten Moment ab, aber dafür warf ich mich etwas zu hart an die Wand, tat mir am Knie weh, legte mich hin, wollte aufstehen, legte mich wieder hin und konnte vor Lachen kaum an mich halten.

Nach dem Eislaufen waren wir dann noch bei Max „Mittag essen“ und teilten uns anschließend auf in Leute, die noch bei Willy’s was einkaufen mussten und Leute, die einfach nach Hause fuhren.

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11.12.2010 – Peperoni @ home

Von uns in Borås kennt jeder wohl das Peperoni, eine Salatbar in der man sich auf recht großen Tellern als Student für vergleichsweise geringe Kosten (50 Kr) einen eigenen großen Salat an einem Buffet zusammenstellen kann. Da man dafür allerdings in der Stadt sein muss hatten wir (irgendwann lange Zeit vorher) beschlossen, einfach mal die Zutaten selbst zu besorgen und die Salate daheim selbst zu machen, bzw. unser eigenes Buffet zu kredenzen.

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